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Diese Internetseite besteht seit Mai 2003, wird aus Mitteln der Deutschen Krebshilfe e.V. finanziert
und dem Sprecher der o.g. Selbsthilfegruppe gepflegt (siehe Impressum),
letzte Aktualisierung: 20.02.2012

lokal begrenztes Prostatakarzinom

fortgeschrittenes Prostatakarzinom

Aktualisierungsstand dieser Seite: 08.01.2012

Prostatektomie (radikale Operation): (Kliniken im Bremer Raum)

Komplette Entfernung der Prostata beim Prostatakarzinom.

Perineal:               vom Damm her.
Über einen Dammschnitt unterhalb des Hodensackes wird die Prostata entfernt. Eine Lymphknotenentfernung ist von diesem Zugang aus nicht möglich. Eine stark vergrößerte Prostata kann den Eingriff erheblich erschweren. Der Blutverlust ist in der Regel geringer, Impotenz- und Inkontinenzraten ähnlich wie bei der Bauchschnittoperation. Die Lymphknoten können mit dieser Methode nicht erreicht werden, allerdings kann man sie vorher mit laparoskopischen Mittel (Schlüssellochtechnologie) entfernen, untersuchen und entscheiden, ob der Dammschnitt die richtige Technik zur Entfernung der Prostata ist.

Retropubisch:       durch Bauchschnitt.
Die totale Entfernung der Prostata, der Samenblasen und der Beckenlymphknoten durch Bauchschnittoperation wird unter diesem Begriff zusammengefasst. Diese Operation ist weltweit als Standardtherapie für das lokalisierte Prostatakarzinom anerkannt. Als Therapie für fortgeschrittene Tumorstadien gibt es jedoch sehr widersprüchliche Stand-Punkte, wobei lokale Maßnahmen zur Behandlung einer ausgebreiteten Erkrankung nicht immer sinnvoll erscheinen. Die Operation dauert 2-4 Stunden, ist mit einem Blutverlust von durchschnittlich 0,5-2 Litern behaftet, führt häufig zu vorübergehendem geringgradigen ungewollten Harnverlust, der jedoch selten auf Dauer unkontrollierbar bleibt. Impotenz ist so gut wie immer mit diesem Eingriff verbunden wenn kein nervenerhaltendes Vorgehen gewählt wird, das dann jedoch auch mit einem höheren Risiko einer nicht kompletten Tumorbehandlung verbunden ist. Der mit der Lymphknotenentfernung und –untersuchung beginnende Eingriff wird, falls die Lymphknoten karzinombefallen sind, aus o. g. Gründen ggf. abgebrochen oder mit einer systemischen Therapie kombiniert.

Laparoskopisch:   durch Bauchspiegelung.
(Endoskopisch-Extraperitonealen Radikalen Prostatektomie (EERPE))
Die totale Entfernung der Prostata, der Samenblasen und der Beckenlymphknoten kann seit 1998 auch mittels einer Bauchspiegelung als laparoskopische Operation durchgeführt werden. Die Laparoskopie erlaubt das Einführen von Operationswerkzeugen und der Kamera durch kleine Schnitte, ohne den Bauch, wie beim Bauchschnitt, mit einem großen Schnitt öffnen zu müssen, wobei jedoch deutlich längere Operationszeiten als bei den oben beschriebenen Operationsverfahren benötigt werden. Inzwischen gibt es in Deutschland vier Zentren, in denen die Laparoskopische radikale Prostatektomie durchgeführt wird,
Berlin Charité, Urologische Klinik Leipzig, Urologische Klinik Halle, Krankenhaus Nordwest Frankfurt -  Klinik für Urologie und Kinderurologie

Broschüre der Charité über die EERPE

daVinci
(Roboterunterstützte laparoskopische Operation)
Die totale Entfernung der Prostata, der Samenblasen und der Beckenlymphknoten wird laparoskopisch, ähnlich der EERPE, durchgeführt. Der Unterschied zur EERPE ist, dass die Instrumente verwacklungsfrei über eine Konsole vom Operateur gesteuert werden, in der er über eine laparoskopisch eingeführte Kamera bis zur 10-fachen Vergrößerung das Operationsfeld sehen kann.
Auf der Internetseite des
ProstataZentrum Nordwest in Gronau ist das Prinzip der daVinci -Operation sehr gut erklärt und mit
Videos hinterlegt.
Flyer des ProstataZentrum Nordwest über die daVinci-Operation

Nebenwirkungen (Krebsinformationsdienst):
Die Prostata liegt in unmittelbarer Nähe der Schließmuskel. Außerdem verlaufen in ihrer Nachbarschaft Gefäß- und Nerven-Bündel, die die Schwellkörper des Penis versorgen. Die häufigsten unerwünschten Folgen der Operation sind daher ungewolltes Wasserlassen (Harninkontinenz) als Folge der Schädigung des äußeren Schließmuskels und der Verlust der Erektionsfähigkeit (Impotenz) durch Schädigung der Nerven. Zu diesen belastenden Folgeerscheinungen kommt es heute durch verbesserte Operationstechniken zwar seltener als früher, aber speziell dann, wenn die lokale Ausdehnung eines Tumors diese Strukturen erreicht und damit eine ausgedehntere Entfernung nötig macht.

Patienten sollten mit ihren Ärzten ausführlich über diese Folgen sprechen. Treten sie auf, ist ebenfalls ein offenes Gespräch angesagt, auch wenn die Probleme den Intimbereich betreffen. Zwar kann nicht immer eine Abhilfe geschaffen werden, manche Folgen lassen sich jedoch zumindest lindern.

Werden die beidseits der Prostata gelegenen Gefäß-Nerven-Bündel entfernt, ist der Verlust der Erektionsfähigkeit nicht zu vermeiden. Nur selten kehrt die Erektionsfähigkeit nach einem halben bis einem Jahr durch Regeneration von Nervenfasern zurück. Nur wenn der Tumor sicher  auf die Prostata begrenzt ist - das ist vielfach erst im Rahmen der Operation beurteilbar -, lässt sich durch eine Schonung der Nerven die Erektionsfähigkeit zumindest bei einem Teil der Patienten erhalten. Dies darf jedoch nicht auf Kosten einer unvollständigen Operation gehen, da sonst das Tumorwachstum wieder einsetzt und der Eingriff letztlich sinnlos gewesen wäre.

Zu vorübergehender mehr oder weniger ausgeprägter Harninkontinenz kommt es unmittelbar nach radikaler Prostatektomie praktisch immer, weil anfänglich die Reflexe gestört sind, die sonst zu einer schnellen Reaktion des Schließmuskels führen. Es kann Stunden, Tage Wochen und manchmal bis zu einem halben Jahr dauern, bis der Schließmuskel wieder seine volle Funktion übernimmt. Bei etwa fünf bis zehn von hundert operierten Patienten bleibt die Inkontinenz allerdings meist in geringem Ausmaß bestehen. Konsequentes Training der Beckenbodenmuskulatur unter Anleitung eines Physiotherapeuten vor und nach der Operation reduziert die Wahrscheinlichkeit langfristiger Inkontinenz. Betroffene Patienten sollten ihren Arzt nach den Möglichkeiten einer solchen Behandlung fragen; auch bei einer Rehabilitation, einer "Nachsorgekur", ist Gelegenheit, dieses Thema anzusprechen. Eine seltener vorkommende Operationsfolge meist wenn vom Damm aus operiert wurde, kann eine zumindest gelegentliche Stuhlinkontinenz sein.

Film zum Operationsverfahren der nerverhaltenden Prostatektomie auf der Internetseite der Martini-Klinik am UKE Hamburg-Eppendorf:

martini-logo

Neue schonende Prostata-OP in der Martini-Klinik am UKE Hamburg-Eppendorf
Ein Film des NDR-Magazins VISITE vom 25.10.2011

NDR-VISITE Kopie

sowie in einem Film der Martini-Klinik am UKE Hamburg-Eppendorf (englisch):

martini-logo

Informationen über die Prostatektomie bzw. radikale Operation auf der Seite des Krebsinformationsdienstes des Krebsforschungszentrums Heidelberg

“Radikale Prostatektomie -  Welcher Zugang für welchen Patienten?” von
Prof. Dr. med. Thomas Gasser Urologische Universittsklinik beider Basel im Kantonsspital Basel
Priv.-Doz. Dr. med. Jan Fichtner Urologische Klinik im Evangelischen und Johanniter Klinikum, Oberhausen
Prof. Dr. med. Christian Stief Klinikum Großhadern in der Ludwig-Maximilians-Universität, München
Prof. Dr.med. Joachim W. Throff Urologische Klinik und Poliklinik, Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz         (Deutsches Ärzteblatt Jg. 101 Heft 28–29 12. Juli 2004)

“Laparoskopische radikale Prostatektomie” von Dr.med. Serdar Deger Klinik für Urologie der Charité Berlin        (Deutsches Ärzteblatt Jg. 101 Heft 30 23. Juli 2004)

EERPE hat sich als Therapie der ersten Wahl bewährt
Erfahrungen mit der Endoskopisch-Extraperitonealen Radikalen Prostatektomie (EERPE) nach 320 Eingriffen
Eine geringe Gewebetraumatisierung, eine schnelle Patientenmobilisation und kurze Hospitalisationsdauer sowie gute funktionelle Ergebnisse machen die EERPE zu einer sehr guten Form der Behandlung des organbegrenzten Prostatakarzinoms.

© Treffpunkt Prostatakrebs Bremen 2012